Unser Geburtsbericht (Teil 2 – aus Männersicht)

IMG_0600Wie versprochen, kommt heute meine bessere Hälfte zu Wort und schildert Felix‘ Geburt aus seiner Sicht! Ich persönlich finde, dass das ein ganz toller Bericht geworden ist. War für mich übrigens total spannend zu lesen, was an dem Tag in meinem Liebsten so vorging…

Ich übergebe hiermit also gern den virtuellen Stift an meinen liebsten Ehemann:

 

 

 

 

Montag, 25.7. – Nacht

Wir sind gefühlt gerade ins Bett gegangen. Eine Stunde später weckt mich meine Frau:“Ich glaube, die Fruchtblase ist geplatzt.“ Ich schaue kurz auf die Uhr. Es ist 0.30 Uhr – super! „Bist Du Dir sicher?“ – kurz habe ich Hoffnung. Schlaf wäre jetzt schön. Außerdem muss ich noch eine wichtige Präsentation bei der Arbeit beenden… „Ich bin mir sowas von sicher!“. Na gut. Dann muss ich tatsächlich meine Gedanken sammeln. Das mit der Arbeit kann man Andere machen lassen 🙂 Der Kopf ist tief unten, also muss man nach meinen Informationen nicht fluchtartig zum Krankenhaus. Super! Dann kann ich doch noch ein wenig schlafen. „Ich würde vorschlagen, wir fahren nicht zu früh. Du kennst ja diese Horrorgeschichten, wo die Geburt sich dann über einen Tag hinzieht.“

Wir einigen uns also darauf, noch ein wenig zu warten und dann loszufahren, wenn meine Frau der Meinung ist, es könnte langsam losgehen.

Dienstag, 26.7. – 4:00 Uhr

Nicht ganz das, was ich mir unter „Zeit lassen“ vorgestellt hatte, aber immerhin. Ich gehe also schnell mit dem Hund raus, packe noch das iPad ein und lade mir ein paar Zeitschriften runter. Im Nachhinein doch sehr überflüssig. Zum einen, weil ich den ganzen Tag über recht müde war und zum anderen, weil es doch recht ablenkend ist, wenn beim Lesen neben einem ständig jemand stöhnt 🙂

Gegen 5:30 Uhr sind wir in der Uni-Klinik. Jetzt geht es also los. Ich sehe schon alles vor mir: Kreißsaal, Geburt und Familienzimmer. In meiner Vorstellung kann es nur noch Minuten dauern… Das CTG nervt! 30 Minuten? Wirklich? Was soll denn dabei rauskommen? Dass die Krankenschwester in meiner Frau nach etwas fühlt, ist da nur noch Nebensache. Ich fühle mich um die Geburt betrogen. Außerdem liefert meine Frau gerade nicht. Die Wehen werden weniger. Wer den Dude aus „The Big Lebowski“ kennt, weiß wie ich mich gerade fühle.

Schön wäre jetzt eine klare Ansage eines Arztes. Ich bin mir nicht sicher, ob überhaupt einer da war. So ganz dunkel erinnere ich mich an eine Veranstaltung vom Leiter der Geburtshilfe Prof. Louwen. Sinngemäß sagte er, dass wenn die Fruchtblase geplatzt, aber der Muttermund erst 2cm geöffnet ist, passiert in den nächsten 12 Stunden nichts. Die Frau sollte also ein Beruhigungsmittel nehmen und ein wenig schlafen. Schade, dass der Professor anscheinend seinen Mitarbeiter diese Erkenntnis nicht auch mitteilt… Stattdessen können wir auf das Zimmer meiner Frau und sollen um 12 Uhr wiederkommen.

Dienstag, 26.7. – 12:30 Uhr

Unfassbar! Irgendwie weiß keiner, warum meine Frau überhaupt wieder in der Geburtsstation vorbeikommt. Ich bin mir nicht sicher, ob sie wissen, dass meine Frau Wehen hat. Ich bin auf 180. Ich versuche durchzuatmen – gelingt leider nicht so ganz. Ich kann mich immerhin soweit zurückhalten, als dass ich weiß, dass meine Frau immerhin hier noch entbinden soll. Könnte schwierig sein auf die Schnelle noch ein anderes Krankenhaus zu finden, falls ich mich hier zu stark aufrege… Wieder CTG – selbst ich sehe, dass das unauffällig ist und die Wehen zumindest nicht stärker als vor 5 Stunden. Wir sollen in 4 Stunden wiederkommen.

Dienstag, 26.7. – 16:30 Uhr

Meine Frau hat offensichtlich starke Wehen. So stark, dass sie eigentlich mehr auf dem Boden liegt, als am Bett lehnt. Sie hat aber Angst, dass sie wieder zurückgeschickt wird. Ich klemme sie unter meinen Arm und schleppe sie mit zur Geburtsstation. Gefühlt brauchen wir für die 50m eine halbe Stunde. Als wir da sind, lassen wir keinen Zweifel daran, dass die Wehen nun wirklich stark sind. Ob es an unserem vehementen Auftritt liegt oder man es meiner Frau einfach ansieht, auf jeden Fall kommen wir sofort in Kreißsaal 2. Jetzt ist es endlich Zeit für das Buch 🙂 Meine Frau stöhnt so vor sich hin. Nebenan schreit eine Frau – wenn es noch so schlimm werden muss, hätten sie uns vielleicht doch noch mal aufs Zimmer schicken sollen.

Immer wieder sind wir relativ lange allein im Kreißsaal. Das wird erst ab 23 Uhr deutlich besser, aber auch hier muss ich das eine oder andere Mal nach vorne zur Anmeldung laufen, weil die Ärztin die Hebamme nicht erreicht.

Grundsätzlich ist es jetzt für mich recht stressfrei. Meine Frau ist hier hoffentlich in besten Händen – zumindest werde ich nicht besser helfen können. Ich versuche meine Frau ein wenig aufzumuntern, aber erstaunlicherweise ist sie nicht zum Spaßen aufgelegt. Dann bleibt mir also nur, aufzupassen, dass sie nicht im Whirpool ertrinkt, und das eine oder andere Mal die Hand zu halten.

Dienstag, 26.7. – 23:30 Uhr

Jetzt kann es nicht mehr lange dauern. Man kann den Kopf schon sehen – und ja, ich darf gucken, obwohl mir das vorher verboten wurde 🙂 Die Hebamme bringt Lautsprecher mit in den Kreißsaal und legt Meeresrauschen auf??? Ich sehe mich gezwungen zu handeln. Leider habe ich keinen Zugriff auf mein Amazon-Konto für Neue Deutsche Welle 🙂 Es wird also Ol‘ Blue Eyes. Es kann Schlimmeres geben, als bei Frank Sinatra das Licht der Welt zu erblicken. Meeresrauschen zum Beispiel. Es läuft gerade „I got you under my skin“ als Felix auf die Welt kommt. Insgesamt eine recht blutige Angelegenheit. Ich durchtrenne noch die Nabelschnur, aber viel wichtiger ist, dass sowohl Frau als auch Sohn wohlauf sind.

Abgesehen davon, dass ich nicht wirklich viel helfen konnte, finde ich den Geburtsvorgang eher aus akademischer Sicht erhebend. Es ist aufregend zu sehen, wie der kleine Mann sich Stück für Stück vorkämpfen musste und wie der Kopf sich verformte. Von der Leistung meiner Frau war ich tief beeindruckt. Auch da sie nicht so geschrien hat, wie die Frauen nebenan. Ich war nur glücklich, dass alle gesund waren. Und natürlich ist der Kleine supersüß!

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Teil 1 findet Ihr übrigens hier

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3 Gedanken zu “Unser Geburtsbericht (Teil 2 – aus Männersicht)

  1. Pingback: Unser Geburtsbericht (Teil 1) | Life Law Balance

  2. Pingback: Schwangerschaftsupdate Woche 12 (2. Runde) | Life Law Balance

  3. Pingback: Gastbeitrag zum Bloggeburtstag: Gedankenkarussell zum 1. Geburtstag von Katrin von lifelawbalance.com – Kleine Herzensdiebe

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