Unser Geburtsbericht (Teil 1)

IMG_0575Hallo ihr Lieben! Lange war es hier etwas ruhiger geworden… was so los war? Och, Mutterschutz genossen, vorgekocht, Freibad, mal kurz unseren Sohn das Licht der Welt erblicken lassen… 😉 und natürlich auch einen Geburtsbericht verfasst, um Euch an diesem besonderen Ereignis in unserem Leben möglichst authentisch teilhaben zu lassen. Das Beste: mein Mann hat einen eigenen Geburtsbericht (quasi aus Männersicht) geschrieben, den gibt es hier die Tage dann auch zu lesen! Heute präsentiere ich Euch aber erstmal meine Sicht der Dinge!

Montag, 25.7. – 22:30 Uhr

Nach einem schönen Abend mit meinem Mann gehen wir ins Bett. Eine Stunde später bin ich dann wie üblich mal wieder auf die Toilette. Wieder eingeschlafen. Punkt 0 Uhr wache ich wieder auf. Höre bzw. spüre ein „Ploppen“ in meinem Unterleib. Denke sofort an die Fruchtblase. Also flitze ich so schnell ich kann ins Bad. Es tröpfelt etwas, eine klare, rosa Flüssigkeit. Könnte es eventuell auch nur etwas Blut im Urin sein? Ich beschließe, die Situation erstmal im Bett zu beobachten, eine Slipeinlage zu verwenden und meinen Liebsten noch schlafen zu lassen.

Dienstag, 26.7. – 0:30 Uhr

Eine Woche vor dem errechneten Termin. Die erste Wehe. Ich schnappe mir mein Handy und halte die Wehen-App bereit. Aha, die nächste Wehe kommt nach 6 Minuten. Diesen Abstand halte ich auch in der nächsten Zeit. Die Wehen selbst sind eigentlich wie die Senk-/Vorwehen der letzten Wochen: wie Menstruationsschmerzen, die etwas in den Rücken strahlen. Sehr gut auszuhalten, etwas bewussteres Atmen reicht völlig!

Jetzt informiere ich auch meinen Mann. „Liebster, möglicherweise hat sich meine Fruchtblase verabschiedet. Wehen hab ich auch schon leichte.“ Da unser Kleiner mit dem Kopf fest im Becken liegt, wollen wir mit der Fahrt ins Krankenhaus noch bis zum Morgen warten – es sei denn, die Wehen werden deutlich schlimmer.

Jetzt kommt auch deutlich mehr Flüssigkeit – also doch Fruchtwasser, jetzt bin ich mir sicher. Gegen 02:30 Uhr geht dann auch ganz unverkennbar der Schleimpfropf ab.

Bald halte ich es im Bett liegend aber nicht mehr so gut aus, will mich lieber bewegen… Also wandere ich die nächsten 1,5 Stunden Runden durch die Wohnung. Immer raus auf den Balkon, zweimal dort im Kreis, durchs Wohnzimmer einmal um den Gymnastik-Ball und ins Babyzimmer, dann zurück ins Wohnzimmer am Tisch vorbei in die Küche. Wäre das Leben ein Comic hätte ich schon tiefe Laufspuren im Parkett hinterlassen ^^ Die Wehen werden nun deutlicher, aber immer noch total auszuhalten, und auch häufiger. Sie kommen etwa alle 3-5 Minuten. Ich warte noch etwas und wecke gegen 04:00 meinen Liebsten. Wir könnten ja mal langsam die letzten Sachen einpacken. Außerdem sollte der Hund ja wohl nochmal raus, bevor wir losfahren. Unseren Hundesitter für den Tag informieren wir nun auch!

Um kurz nach 5 Uhr fahren wir nun also los in Richtung Wunschklinik. Auf dem Weg kaufen wir noch ein paar belegte Brötchen. Ich sollte wohl versuchen, mich zu stärken, wenn ich schon nach nur einer Stunde Schlaf in die Geburt starte. Genau das, was ich mir nicht erhofft hatte!

Dienstag, 26.7. – gegen 6:00 Uhr

In der Klinik angekommen, wird erstmal ein CTG geschrieben. Dem Baby gehts super, Wehen werden zwar aufgezeichnet, sie sind aber wieder weniger und unregelmäßiger geworden. Tja. Passiert wohl häufiger bei der Ankunft im Krankenhaus. Dann tastet die Hebamme zum ersten Mal nach meinem Muttermund. Das ist mit Abstand das Schmerzhafteste, was mir in der bisherigen Schwangerschaft und Geburt widerfahren ist. Könnte es aber vielleicht auch zum Teil an den Wurstfingern der Hebamme liegen? 😉 Der Muttermund ist 2cm geöffnet und der Gebärmutterhals nahezu verstrichen. Für knappe sechs Stunden Wehen bin ich von diesem Befund wenig beeindruckt! Wir sollen um 8:30 Uhr nochmal zum Ultraschall kommen.

Wir checken erstmal auf der Station in einem Einzelzimmer ein. Mein Mann legt sich nochmal hin, während ich ungeduldig auf meinem Stuhl herumrutsche. Die Wehen sind recht unregelmäßig, aber es kommen doch immer wieder mal welche.

Beim Ultraschall wird der Kleine auf 3400g geschätzt, alles scheint soweit ok mit ihm! Zur nächsten Untersuchung sollen wir gegen Mittag kommen.

Also gehen wir gegen 10 Uhr erstmal in der Nähe eine Runde spazieren – es ist schon richtig warm draußen und ich komme gut ins Schwitzen. Ein paar deutlichere Wehen kommen, aber keine gravierende Veränderung.

Zurück im Zimmer gibt es erstmal das fantastische Klinik-Mittagessen: Rahmspinat ohne Flüssigkeit, Kartoffelpüree ohne Salz, Rührei ohne Ei. Fantastisch! Kann mich bitte mal jemand erschießen?! ;-P

Dienstag, 26.7. – 13:00 Uhr

Nach dem Mittag gehen wir wieder rüber zum Kreißsaal und wollen wieder untersucht werden. Niemand weiß, dass und warum wir da sind. Mutterpass nicht auffindbar. Untersuchung sei noch nicht wieder nötig. Kommen Sie einfach „irgendwann“, wenn die Wehen mehr sind. Spätestens abends um 24 Uhr für das Antibiotikum, das wir dann wegen des Blasensprungs bekommen sollten. Spätestens 48 Stunden nach dem Blasensprung würde dann eingeleitet. Das hoffe ich aber nicht.

Wir essen also noch eine Currywurst mit Pommes und tigern zurück aufs Zimmer. Dort will ich mich dann auch nochmal hinlegen. Schließlich tut sich ja nach wie vor nichts wirkliches. Mann und ich kuscheln uns also in das Einzelbett…

Dienstag, 26.7. – 14:00 Uhr

Ich bin kaum eingeschlafen, da kommt die erste richtige Wehe. Und die haut mich gleich aus dem Bett. Ich finde mich kniend auf dem Krankenhausboden mit dem Kopf unter dem Nachttisch wieder. Außerdem möchten das unsägliche Mittagessen und die Currywurst schleunigst ihren natürlichen Weg gehen… Jede Wehe (alle 5-6 Min) ist jetzt sooo viel stärker. Und sie ziehen sehr stark im Rücken. Trotzdem will ich nicht sofort zum Kreißsaal gehen, aus Angst wieder weggeschickt zu werden. Ich atme und stöhne weiter… Kurz vor 16 Uhr ergreift dann mein Mann die Initiative, bugsiert mich zum Kreißsaal und stützt mich auf dem Weg immer wieder.

Anscheinend sehe ich jetzt auch entsprechend fertig aus, so dass wir sofort in Kreißsaal 2 einziehen dürfen. Dort wieder CTG. Ich bitte darum, bald in die Wanne zu dürfen. Davon erhoffe ich mir sehr viel Schmerzlinderung. Aber erst nochmal die Untersuchung des Muttermundes: 3cm!! Das heißt, die letzten 10 Stunden haben nur einen Zentimeter gebracht. Als ich aus dem Kreißsaal nebenan eine Frau wie am Spieß schreien höre, wird mir ganz anders. Wie viel schlimmer soll es denn noch werden, wenn schon 3cm ziemlich hart zu verarbeiten sind? Im Laufe des Tages hören wir noch so einige Frauen (und dann Babys) brüllen! Es gab an diesem Tag noch sieben andere Geburten!

Ich konzentriere mich derweil auf jede einzelne Wehe, wiege das Becken im Vierfüßlerstand hin und her, atme, töne (aaaah) und warte auf die Pause. Die Schmerzen im Rücken gehen nun zwischen den eigentlichen Wehen auch leider gar nicht mehr weg. Außerdem zittere/schlottere ich am ganzen Körper- es schüttelt mich richtig!

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Dienstag, 26.7. – 18:30 Uhr

Nun darf ich dann auch endlich in die Wanne. Ich bin kaum drin, da werden die Wehen gleich so viel erträglicher. Die Wärme ist eine Wohltat, wir lassen auch nochmal heißes Wasser nach. In den Wehenpausen sinke ich immer wieder in Sekundenschlaf. Mein Mann hat schon Angst, dass ich einfach mit dem Gesicht voran in der Wanne versinke 😀 ich trinke mal ein wenig Isodrink und ein Energygel (eigentlich für Männes Marathontraining gekauft…). Die Wehen werden auch trotz des warmen Wassers nochmal intensiver. Ich möchte irrational um mich schlagen, in ein dunkles Loch kriechen und den Löffel abgeben. Ich bin verzweifelt. Dass ich nach 2 Stunden wieder aus der Wanne soll, macht mir jetzt schon Sorgen… Diesen Schmerz halte ich ohne Wanne nicht (nochmal) aus. Ich würde mich am liebsten in der Gebärwanne ertränken. Ich will eine PDA. Unbedingt. Keine Diskussionen! Oder eine geladene Pistole 😉 Irgendwann muss ich (schon zum zweiten Mal) auf die Toilette und entscheide, jetzt dauerhaft die Wanne zu verlassen und sofort eine PDA zu verlangen. Mein armer Liebster und die Hebamme helfen mir aus der Wanne, direkt davor sinke ich mit einer Mordswehe zu Boden. Wie soll ich bloß in den Kreißsaal zurück kommen? Nackt über den Gang krabbeln? Irgendwann ist auch das geschafft. Mein Mann ist mein Fels, an den ich mich panisch klammere.

Die neue Hebamme (es war wohl Schichtwechsel) möchte vor der PDA gern nochmal den Muttermund untersuchen. Ich bin gespannt. Nur ein Gedanke: Was, wenn es erst 4cm sind? 

Es sind 8cm! 5cm mehr in nur 2 Stunden. Ich bin begeistert. Hebamme Susanne lässt mir alle Entscheidungen – PDA, Buscopan… Ich denke daran, dass eine PDA den Verlauf verzögert, vieles schwieriger macht und gern mal zu weiteren Interventionen führt. Außerdem wollte ich ja eigentlich auch keine… 😉 Also machen wir erstmal („ein halbes Stündchen“) ohne PDA weiter und gucken, wie es sich entwickelt. Ich bekomme aber einen Zugang und ein homöopathisches Mittel. Gott sei Dank wusste ich das zu dem Zeitpunkt noch nicht (glaube nicht an Homöopathie) und mein Mann hat glücklicherweise auch den Schnabel gehalten, Placebo-Effekt und so…

Ich weiß nicht mehr, wie spät es ist – befinde mich irgendwo zwischen Zeit und Raum… Bald verändern sich aber die Wehen. Der stechende Schmerz wird deutlich weniger. Stattdessen verspüre ich einen starken Druck, als ob ein großes (sehr großes ^^) Geschäft anstünde. Momentan befinde ich mich übrigens mal wieder im Vierfüßlerstand auf meinem Bett. Dummerweise mag ich meinen Kopf dabei allerdings tiefer als den Hintern, so dass die Hebamme vorschlägt, dass wir das Kopfteil aufrichten sollten und ich mich an einem festgebundenen Tuch festhalten soll…

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Einige Presswehen später ist Felix‘ Kopf schon auf dem Vormarsch, ich kann ihn sogar schon selbst fühlen! Es werden warme Kompressen für meinen Damm und Tücher für den kleinen Mann vorbereitet – aufregend, denn nun kann es ja nicht mehr lange dauern! Leider geht es aber immer 2 Schritte vor und einen zurück, dies sei aber laut meiner Hebamme ganz normal!

Ich presse noch einige Zeit in der tiefen Hocke weiter, bevor ich in die Seitenlage wechsele. Die warmen Tücher für den Damm kommen nun zum Einsatz – total angenehm! Angeblich kann man das Köpfchen nun sogar schon sehen. Mein Mann erhält nun allen meinen Vorsätzen zum Trotz die „Lizenz zum Gucken“… ;-P und… „Er hat dunkle Haare!„. Ein paar Mal Pressen später gucke ich zum Fußende und sehe Felix‘ kleinen haarigen Kopf zwischen meinen Beinen rausgucken. Wahnsinn! Absoluter Wahnsinn! Es ist 23:59 Uhr am 26.7.16, dem Geburtstag von Felix‘ Opa. Der Körper flutscht jetzt gefühlt nur so raus. Er ist endlich da, zwar mit Nabelschnur um den Hals, aber er ist da!

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Es ist exakt 0:00 Uhr am 27.7.16 (für den Geburtszeitpunkt zählt nämlich die Ankunft der Füße)! Eine Woche früher als errechnet, und damit noch im Juli statt im August!
Mit Familie und Freunden hatten wir ein Baby-Termin-Tippspiel veranstaltet. Der Opa hatte auf seinen eigenen Geburtstag getippt, ich auf den nächsten Tag, also den 27.7.! Ich habe also tatsächlich selbst das Tippspiel gewonnen und der Preis liegt jetzt leicht blau und klebrig auf meinem Bauch. Kein Geschrei (muss ja auch nicht), nur große Blicke.

Wir kuscheln so vor uns hin. Plazenta kommt. Es ist eine Doppelplazenta und sieht ziemlich cool aus. Mitnehmen möchte ich sie aber bitte nicht. Wir kuscheln weiter. Mein kleiner Labienriss wird genäht (aua, das Nähen ist echt fies!), mein Damm ist heil geblieben (Halleluja)! Mehr Gekuschel. Erster Stillversuch („lief“ so mäßig). So langsam sind wir alle echt müde und möchten auf unser Familienzimmer. Also wird der kleine Felix schnell noch gemessen und gewogen: 48cm, 3170g und 35cm Kopfumfang liegen jetzt endlich in Papas Arm! 

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Die Geburt unseres kleinen Sohnes war das Krasseste, emotional Intensivste (und Schmerzhafteste), das ich je erlebt habe. Zeitweise kurz vor dem Verzweifeln, bin ich jetzt so stolz darauf, es ohne wirkliche Schmerzmittel und Dammverletzungen geschafft zu haben. Der kleine Mann kam völlig interventionsfrei zu uns, was wirklich nicht selbstverständlich ist und mir sehr viel bedeutet!

Zum Glück verblasst die Erinnerung an den Schmerz – der Schmerz geht, der Stolz bleibt. Schon wenige Tage später erzähle ich mit leuchtenden Augen von unserem Geburtserlebnis. Und bin mir absolut sicher: ich würde es morgen sofort (naja, oder vielleicht in 2 Jahren) wieder tun!

Und PS: ich habe bei der Geburt nie geschrien wie am Spieß! 😉

Eure Katrin

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13 Gedanken zu “Unser Geburtsbericht (Teil 1)

  1. Toller Bericht! Bei einigen Punkten musste ich richtig schmunzeln, weil es so schön ehrlich ist und mir so bekannt vorkam. Erstaunlich wie schnell man dennoch all das hinter sich lässt und diesen Schmerz sofort (oder in vielleicht 2 Jahren 😉) wieder in Kauf nehmen würde.
    Liebe Grüße
    Linda

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    • Hi Linda! Danke für deinen Kommentar und schön, dass dir der Bericht gefallen hat! Du hast Recht, ich bin auch noch ganz verwundert, wie schnell Erinnerung (an Unangenehmes) verblassen kann… 🙂 VG Katrin

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  2. Es ist schön, dass Mutter Natur uns den Schmerz im Großen und Ganzen vergessen lässt. Sie ist eben auch eine Mama und weiß was wir nach einer Geburt brauchen. 😉
    Toll geschriebener ehrlicher Bericht – wir lesen uns zu dem Thema in 2 Jahren nochmal. Hihi.

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  3. Wahnsinn…ich habe mich in Deinem Bericht wiedergefunden. Schmerzen fast nur im Rücken, das langsame Öffnen des Muttermundes, 2 Stunden Wanne (aber nicht rauswollen), die Entscheidung gegen die PDA, nach den angeblichen Schmerztropfen irgendwo zwischen Raum und Zeit, die wohltuenden warmen Tücher und zurletzt das Wahnsinnserlebnis, wie der Körper den Weg in die Welt und in die Arme findet…alles gleich! Zum Glück durften wir das Erleben! Alles Gute für die Zukunft! LG

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