Schublade gesucht! – irgendwo zwischen vegetarisch, vegan und „veiß nicht“…

Mein Name ist Katrin und ich esse Fleisch. Jedenfalls manchmal. Mal mehr. Mal weniger. Aber es ist mir nicht egal.

Ich habe sehr lange darüber nachgedacht, ob ich über dieses sehr kontroverse und emotional aufgeladene Thema überhaupt posten soll. Aber es beschäftigt mich – immer wieder und besonders in der letzten Zeit. Nicht zuletzt an immer neuen Lebensmittelskandalen, Warnungen vor krebserregendem Fleischverzehr und diversen Ernährungsempfehlungen. 

Und da ich ein Freund der Devise „leben und leben lassen“ bin und selbst niemandem seine Meinung vorschreiben will, hoffe ich sehr, dass meine Leser mich auch „leben lassen“, wenn ich hier meine persönliche Meinung zum Besten gebe 😉

Jetzt aber „mal Butter bei die Fische“, wie wir in Hamburg sagen: wie stehe ich zum Fleisch, wie ernähre ich mich nun eigentlich, welche Schublade ist die Meine?

Vegetarier auf Zeit?

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich einen Monat lang komplett vegetarisch gelebt und zwar sogar in der Vorweihnachtszeit. Ich habe zunächst niemandem davon erzählt, um mir einfach Ärger zu ersparen. Schwer fiel es mir nicht, auf Fleisch zu verzichten. Aber dabei geblieben bin ich auch nicht. Spätestens an Weihnachten hatte ich ein Problem mit den ganzen Familienessen… als ich meinem Mann davon erzählte, sagte er mir ins Gesicht, dass er es „sehr blöd“ fände, wenn ich Vegetarier würde, da alles so kompliziert würde, auch gerade beim Kochen. Merkwürdigerweise hatte er in den vorangegangenen drei Wochen überhaupt nicht gemerkt, dass ich kein Fleisch mehr gegessen hatte 😉 Ich ersetzte einfach Fleisch durch anderes oder ließ es weg. Aber sein erster Impuls war trotzdem ganz klar negativ!

Und ich will ganz ehrlich sein: ich esse eigentlich ganz gern Fleisch. Es schmeckt mir und ich finde es manchmal schon schwer, es bei bestimmten Rezepten zu ersetzen. Was mir nicht schmeckt, esse ich natürlich sowieso nicht. Außerdem habe ich eine Soja-Allergie, könnte also nicht auf Tofu & Co. ausweichen. Würde ich Tieren Schmerzen oder Angst bereiten? Natürlich nicht! Würde ich Tiere selbst töten? Auf gar keinen Fall! Würde ich meine Haustiere essen? Blöde Frage…

Ich persönlich finde trotzdem die Vorstellung, Fleisch zu essen nicht von vornherein falsch oder eklig. Die Art und Weise, wie wir an unser Fleisch kommen, stört mich! Jeder hat mittlerweile eine (vage) Vorstellung davon, dass die Tierhaltung in der Fleisch-, Milch-, Eierindustrie, nun ja, gelinde gesagt nicht das Gelbe vom Ei ist. Von den unmenschlichen untierlichen Schlachtbedingungen ganz zu schweigen. Als großer Tierfreund treiben mir solche Berichte oder Bilder die Tränen in die Augen.

Teilzeit-Vegetarier?

Zurück zum Kochtopf! Grundsätzlich esse ich aktuell schon sehr wenig Fleisch. Wochentags koche ich nur für mich selbst und esse, mit minimalen Ausnahmen, eigentlich zu 100 % vegetarisch. In der Mensa und beim Essengehen suche ich mir sehr sehr häufig vegetarische Gerichte aus, was nicht zuletzt der mangelhaften Qualität des oftmals verwendeten Billigfleisches liegt.

Am Wochenende, wenn ich für meinen Mann und mich koche, wenn wir gemeinsam essen gehen oder ich bei meiner Familie bin, steht hingegen fast immer einmal am Tag Fleisch auf dem Speiseplan. Typischerweise verpackt in Gerichte, die ohne Fleisch irgendwie „Sünde“ daherkämen… wäre ich allein, könnte ich aber auch sehr gut darauf verzichten…

Vegan- das einzig Wahre?

Am vergangenen Wochenende habe ich dann das Buch „Ab heute vegan“ von Patrick Bolk gelesen verschlungen! Es gibt auf 137 kurzweiligen Seiten viele Tipps, Anregungen und Anstöße zum Thema „Vegan leben“. Bei der Beschäftigung mit veganer Lebensweise wurde aber auch schnell klar: wenn man einmal anfängt, zieht das einen ganzen Rattenschwanz an möglichen und konsequenterweise notwendigen Veränderungen nach sich. Mit Verzicht auf Fleisch allein ist es nicht getan. Milchkühe und Legehennen fristen ein mindestens genauso betrübliches Dasein wie die Tiere in der Fleischproduktion. Und was ist mit Leder in Schuhen, Jacken und Handtaschen? Und was mit Tierversuchen für Kosmetik & Co.? Nicht umsonst habe ich vor einiger Zeit angefangen, meine Kosmetik auf tierversuchsfreie, wenn nicht sogar vegane, Produkte umzustellen. Ich bin sicher noch nicht bei 100 %, da ich zunächst alles aufbrauchen will, aber auf einem sehr guten Weg. Alles was leer wird, wird durch ein tierfreundliches Produkt ersetzt. Der Verlust/Verzicht ist für mich total verschmerzbar, ich empfinde nicht einmal „Verzicht“… nur das Stöbern und Shoppen bei Douglas fehlt mir manchmal, ist aber auch besser für den Geldbeutel 😉

Meinen eigenen „Veg“ finden?

Nach der Lektüre von „Ab heute vegan“ regte sich in mir (wieder einmal) der Wunsch, noch bewusster mit tierischen Produkten umzugehen. Ich dachte weiter darüber nach, was mich bisher immer davon abgehalten hatte, es auch durchzuziehen…Die Antwort war eigentlich ganz einfach und machte doch alles umso schwieriger! Ich bin von militanten Fleischessern umgeben! Kein einziger Vegetarier oder Veganer ist in meinem näheren Umfeld vorhanden. Und ich scheue zugegeben den Konflikt! Viele Fleischesser fühlen sich in Gegenwart von Veggies schon unwohl, ohne dass Letztere überhaupt was zum Thema sagen. Wahrscheinlich weil es vielen in ihrem Inneren so geht wie mir: sie wissen um die Lebensbedingungen der Tiere, würden vielleicht gern was ändern, wissen möglichweise noch nicht ob oder wie…

Schön zum Thema Konflikte und deren Vermeidung lesen sich auch die Artikel „Tipps und Strategien für den Umgang mit Fleischessern“ und „Familienkrise: Fleischesser und Veganer an einem Tisch“ vom Vegetarierbund Deutschland e.V.!

Ich würde niemanden zwingen wollen, auf tierische Produkte zu verzichten. Ich finde, dass die Entscheidung jeder für sich selbst treffen muss und soll. Genauso wie ich für mich beanspruche, diese ganz persönliche Entscheidung, die zunächst einmal nur mich und meinen eigenen Körper betrifft, auch selbst treffen zu dürfen.

Aber es stellen sich einige Fragen: Ich koche wahnsinnig gern und möchte das auch immer tun, gerade für andere! Wenn wir Gäste haben, gehört Fleisch (vor allem für die Gäste) gefühlt immer dazu… Ist es geheuchelt, wenn man selbst hauptsächlich vegetarisch oder vegan lebt, aber weiterhin Fleisch & Co. serviert? Und noch schlimmer: ich würde nie wollen, dass andere sich für mich Umstände beim Kochen machen müssen – Stichwort #Beilagen-Vegetarier 😉

Viel schwieriger wird es noch, wenn ich mir überlege, auch auf Milch und Eier zu verzichten. Ich könnte eigentlich nie wieder essen gehen. Jedenfalls nicht mit meiner Familie und Freunden. Ich kenne wenige bis keine Menschen in meinem Umfeld, die freiwillig in ein Veganer-freundliches Restaurant gehen würden… und wenn immer nur die Wahl des gemischten Salats mit Öl und Essig bleibt oder man tausendmal nachfragen muss und allen anderen den Appetit verdirbt… ganz im Ernst? Dann bleib ich lieber daheim.

Was also tun?

Zu einem großen Teil esse ich ja bereits vegetarisch oder sogar vegan. Hafermilch als Alternative zum Kaffee schmeckt mir richtig gut. Vegane Kuchen können super lecker sein. Tierische Produkte zu ersetzen und ansonsten sehr bewusst zu genießen, ist also definitiv drin! Auch meinem Mann kann ich sicher mal das eine oder andere fleischlose Gericht unterjubeln…

Ist das „perfekt“? Ganz sicher nicht. Ist es besser als gar nichts? Ich denke schon!

Ich bin bereit zu verzichten. Aber ich bin nicht bereit mich zu opfern. Essen ist für mich ein riesiges Stück Lebensqualität! Dennoch denke ich, dass einige kleine persönliche Veränderungen immer noch viel mehr bewirken, als wider bessere Intention alles beim Alten zu belassen.

Wie steht Ihr zu dem ganzen Thema? Seid ihr Vegetarier? Oder sogar Veganer? Müssen es für Euch immer 100 % sein oder geht Ihr auch lieber kleine Schritte? Kennt Ihr empfehlenswerte (sojafreie) Ersatzprdukte? Hinterlasst mir unbedingt einen Kommentar, bin schon gespannt auf Eure Meinungen und Ideen!

Eure Katrin

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3 Gedanken zu “Schublade gesucht! – irgendwo zwischen vegetarisch, vegan und „veiß nicht“…

  1. Hej,
    du sprichst mir aus der Seele mit deinem Post. Ich esse auch kaum Fleisch, manchmal wochenlang nicht aber wenn dann ein richtig guter Braten oder so um die Ecke kommt schlage ich zu. Auf viele Milchprodukte verzichte ich ohnehin schon, Käseverzicht finde ich aber sehr schwierig. Und das sind nur ein paar der Dinge, wenn es um veganes Leben geht. Bienenhonig, naturtrüber Essig und Saft etc. kommen dann ja hinzu. Zudem mag ich absolut kein Tofu und Seitan.
    Du siehst, ich beschäftige mich ebenfalls mit dem Thema Vegetarier/Veganer, habe aber noch keinen adäquaten Umgang für mich damit gefunden. Solange falle ich wohl unter den Begriff Flexitarier, den ich aber ein wenig dämlich finde.

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    • Liebe Kerstin,
      vielen Dank für Deinen lieben Kommentar! 🙂 ja, auf Käse kann ich auch sehr schlecht verzichten, am ehesten noch auf dem Brot… aber es schmeckt einfach alles so viel besser mit Parmesan oder Feta drauf! ^^
      Ich glaube, wenn man immerhin schonmal reflektiert und kleine Veränderungen vornimmt, ist man auf dem richtigen Weg! Und solange sind wir zwei eben „Flexitarier“! 🙂
      Viele Grüße
      Katrin

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  2. Pingback: Herzhaft Frühstücken Teil 3: Was drauf aufs Brot?  | Life Law Balance

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