Eine Erfahrung fürs Leben – meine Prüfungsphase und meine wichtigsten Tipps

Hallo zusammen,

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Als mich letzte Woche ein Arbeitskollege, der selbst bald in die Examensvorbereitung geht, zu meiner eigenen Vorbereitung „verhörte“ und mich insbesondere nach meinen Top-3-Tipps für die Lernphase fragte, kam ich ins Grübeln.

Mir ist zum ersten Mal aufgefallen, dass meine 1. Staatliche Prüfung in Jura schon ziemlich genau ein Jahr zurückliegt. Kaum zu glauben, wie etwas, das ich jahrelang wie ein Damoklesschwert über mir hängen spürte und am liebsten semesterweise vor mir hergeschoben hätte, bevor ich mich schließlich ein ganzes Jahr lang darauf vorbereitet habe, dann doch so schnell vorbei- und das Leben weitergeht.

Rückblick

Ende Februar 2014 war es also soweit: ich ging ins erste Staatsexamen. Dem vorausgegangen waren genau 12 Monate, die an Anspannung, Verzweiflung, aber auch Lernen kaum zu überbieten waren.

Der Plan

Ich habe mich mit Hilfe des Universitätsrepetitoriums meiner Uni auf die Klausuren vorbereitet. Das bedeutete 3 Vormittage in der Woche Vorlesung, sowie eine Klausur pro Woche. Neben den Präsenzveranstaltungen habe ich dann daheim gelernt. Hauptsächlich, damit Maja (mein kleiner Hund) nicht länger als an den Vormittagen allein daheim bleiben musste. Etwa eine Fallbesprechung mit einer Kommilitonin und guten Freundin pro Woche, sowie drei Wochenend-Crashkurse von einem kommerziellen Repetitor rundeten meine Vorbereitung ab.

Einen Tag in der Woche, damals war das immer der Montag, habe ich außerdem in einer Kanzlei als studentische Mitarbeiterin gearbeitet. Auch wenn es mir manchmal um die „verlorene“ Lernzeit Leid tat, war ich immer froh über den Ausgleich, den mir diese Nebenbeschäftigung bot. Ich sah jede Woche, warum ich mir „das alles“ überhaupt antat. Ich hatte irgendwie ein Ziel vor Augen.

Wenn ich das hier so schreibe, klingt es, als hätte ich voll den Durchblick und einen genauen Plan gehabt und wäre auf einer Wolke der Motivation und des Fleißes durch das Jahr geschwebt.

Die Wirklichkeit

In Wahrheit sah es häufig ganz anders aus: oft kam ich morgens schwer aus dem Bett, war nach dem Unirep gefolgt vom Mensa-Essen meistens todmüde, wenn ich wieder daheim war und überwältigt von den vielen Dingen, die sich einfach nicht von selbst erledigen wollten. Der Haushalt machte sich nicht von allein, Sport sollte ich („zum Ausgleich“) ja möglichst auch noch treiben und der Hund muss wirklich endlich mal lernen, sich selbst auszuführen… 😉

Abends kam dann mein Mann, bzw. damals ja noch Freund, heim, d.h. der Lerntag war meist ohnehin gelaufen, sobald sich der Schlüssel im Schloss drehte. Bis spät in die Nacht lernen wollte ich aber auch nicht, da ich früh am nächsten Morgen ja wieder Programm hatte und da ja auch schlecht vor Müdigkeit wegdösen konnte. Außerdem wollte ich natürlich auch mal Freundinnen treffen und gern an den Wochenenden frei machen.

Freizeit und Lernen haben wechselseitig untereinander gelitten: das Lernen habe ich an manchen Tagen so lange herausgezögert (YouTube war mein bester Freund), bis es sich kaum noch lohnte, anzufangen. Das Defizit habe ich dann versucht, hauruckartig an den Abenden oder Wochenenden wieder aufzuholen, so dass ich entweder gar keine „echte“ Freizeit oder immer ein schlechtes Gewissen bei meinen Freizeitaktivitäten hatte.

Völlig „verplant“

Wenn ich damals meinen Tagesplan aufgeschrieben habe, kamen zu meinen vorgesehenen 6-7 Rep- bzw. Lernstunden schätzungsweise noch einmal 6-7 Stunden „Freizeitstress“, also beispielsweise mich morgens fertigmachen, Gassigehen, der Hin- und Rückweg zur und von der Uni, Mahlzeiten, Sport, Haushalt usw. Wenn ich das tatsächlich so durchgezogen hätte, wäre ich also 14 Stunden lang ohne Zeitpuffer verplant gewesen. Wenn ich also um 7 Uhr aufstand, hätte ich frühestens um 21 Uhr zum ersten Mal wieder durchatmen können.

Man muss sich nicht viel mit Zeitmanagement beschäftigt haben, um zu wissen, dass ein solcher Plan ohne eingeplante Pufferzeiten, der gefühlt nur aus Verpflichtungen von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang besteht, nicht funktionieren kann. In der Realität sah es dann auch so aus, dass ich z.B. häufiger mal den Sport ausfallen ließ, Hausarbeit liegen blieb und dadurch am Wochenende gemacht werden musste, oder ich mir meine Mahlzeiten zwischendurch am Schreibtisch hineingezwungen habe.

An zu vielen Tagen habe ich gar nicht erst angefangen. An zu vielen Tagen bin ich gescheitert. Und das war leider ein Gefühl, das sich so auch auf die Juristerei und das Leben insgesamt übertrug. Ich konnte weder meinem Studium, noch meiner Freizeit/meinem Alltag gerecht werden. Und vor allem auch nicht meinen eigenen Ansprüchen an mich selbst! Das schlug sich nicht zuletzt auch in meiner allgemeinen Stimmung nieder (an dieser Stelle ein großes „Entschuldigung!“ an alle meine Mitmenschen, die mich in dieser Zeit ertragen durften, falls ihr das hier lest!).

Alles wird gut?

Die Klausuren kamen und gingen. Ich ging mit gemischten Gefühlen hinein und kam unsicher, aber auch erleichtert, heraus.

Als ich dann Mitte Mai meine Ergebnisse erhielt und Anfang Juni auch die mündliche Prüfung bestanden hatte, ging ich mit 8,83 Punkten aus dem staatlichen Teil. Ein unfassbar tolles Ergebnis, besonders nach dem gesammelten Chaos des letzten Jahres. Sollte ich mir all die Monate etwa umsonst so einen Kopf gemacht haben? War es am Ende etwa „halb so schlimm“?

Zugegeben – die Tatsache, so knapp unter dem „Vollbefriedigend“ geblieben zu sein, das sich ja alle angehenden Juristen wünschen, kratzt immer noch ein wenig an mir. Aber jetzt, im Schwerpunktstudium, habe ich noch einmal die Gelegenheit, gute Leistungen zu erbringen und zwar in einem Bereich, der mich auch wirklich interessiert. Und das ist mir bisher im Großen und Ganzen auch gelungen. Nun steht nur noch die wissenschaftliche Hausarbeit an, die hier in Hessen das Schwerpunktbereichsstudium abschließt und in meinem Fall auch mein erstes Staatsexamen.

Fast fertig – und dann?

Und mit dem nahenden Ende der Uni-Zeit nahen auch neue Gedanken und Fragen an die Zukunft: wie werde ich das Referendariat (und die wiederum damit verbundene Lernphase) angehen, das ich hoffentlich im Herbst beginnen kann? Wie schaffe ich es diesmal, eine bessere Balance zwischen den Anforderungen des „Refs“ und meinen alltäglichen Tätigkeiten zu halten? Wie verliere ich dieses Mal nicht beinahe den Verstand?

Meinem Arbeitskollegen habe ich dieselbe Geschichte vergangene Woche auch erzählt. Und dabei haben sich auch meine Top-3-Tipps für die Examens- bzw. jede Prüfungsvorbereitung herauskristallisiert:

1. Mach dir gleich zu Anfang einen Plan!

Teile dir den zu lernenden und zu wiederholenden Stoff, deine Zeit und alle zwingenden Ref-Termine ein. Lass aber auch Vernunft walten – der Plan sollte schon auslastend, aber nicht überfordernd sein. Berücksichtige auch andere Verpflichtungen  oder wichtige Termine in deinem Leben. Nimm dir ruhig Zeit für die Planung. Und dann halte dich auch an den verflixten Plan – dafür ist er schließlich da! 😉

2. Gönne dir echte Freizeit!

Wenn du 1. beherzigt hast, hast du eine Woche voller gut gefüllter Arbeits- und Lerntage vor dir. Meiner Meinung nach darf abends dann gern mal entspannt werden, ebenso an den Wochenenden. Tu dies mit dem guten Gewissen, genau das getan zu haben, was nötig war und was in deiner Macht stand. Nimm dir diese wichtige Zeit für dich selbst und mache, worauf du Lust hast! Ein überforderter, gestresster Kopf, der sich nie entspannen darf, merkt sich irgendwann leider auch kein neues Wissen mehr!

3. Mach dir nicht so viele Gedanken!

Das Examen haben schon so viele Leute geschafft. Wenn selbst ich, bei meiner teilweise unsäglichen Vorbereitung, fast ein VB im 1. Examen schaffen konnte… Mit 1. und 2. ist die richtige Grundlage für den Erfolg gelegt! Alles wird gut!

Diese drei Ratschläge habe ich also meinem Kollegen gegeben! Und zugleich auch mir selbst, denn auch ich werde versuchen, sie bei meiner wissenschaftlichen Hausarbeit, dem anstehenden Referendariat und natürlich meinem 2. Examen zu beherzigen! Ich möchte nicht noch einmal eine solche (selbstverschuldet) unzufriedene Zeit erleben müssen. Also mache ich mich aktuell auf die Suche nach der Balance zwischen Jura und dem Rest vom Leben (#yolo 😉 ).

Nicht zuletzt möchte ich daher, wenn die Zeit gekommen ist, meine Fortschritte in der Planung und auf dem Weg zum 2. Staatsexamen auf LifeLawBalance begleiten und mit Euch teilen!

Was sind Eure Tipps für die Examens- oder Prüfungsvorbereitung im Allgemeinen? Steht bei Euch demnächst eine Prüfung an? Wie haltet Ihr die Balance?

Lasst mir gern einen Kommentar da!

Eure Katrin

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